PflanzenRaritäten
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Aegagropila linnaei, die zu den Grünalgen (Chlorophyta) gehört, ist auf der nördlichen Welthalbkugel weit verbreitet. Als "Mooskugel" wird die Wuchsform der Alge, bei der die Algenfäden zu einer großen grünen Kugel verwoben sind, bezeichnet. An ihrem japanischen Naturstandort ist für diese Form der Name "Marimo" gebräuchlich. Die aquaristisch übliche Bezeichnung Cladophora aegagropila ist nicht zutreffend, wie eine Verwandtschaftsanalyse auf der Grundlage von Gensequenzen zeigt und mit der die Abtrennung als eigene Gattung Aegagropila begründet wird. Bei Aegagropila ist im Gegensatz zu Algen der Gattung Cladophora Chitin in der Zellwand vorhanden. Dies passt zu den Analyseergebnissen und stützt zusätzlich die taxonomische Entscheidung.
Aegagropila kommt zudem auch in einer epiphytischen Wuchsform und als Büschel frei flutender Fäden (teppichförmig auf schlammigen Grund) vor. Zu bemerken ist, dass alle gefundenen Populationen in diesen drei Wuchsformen zur gleichen Art gehören und sich botanisch nicht unterscheiden lassen. Auch die Anpassungsfähigkeit an Aquarienbedingungen ist bei allen Populationen und Wuchsformen gleich.
Im Aquarium kann man mit "Mooskugeln" dekorative Wurzeln gestalten. Dazu werden einfach Fragmente der Algenbälle, die auch im Inneren grün und nicht abgestorben sind, gleichmäßig auf den Wurzeln befestigt. Die bei der Photosynthese auftretenden Sauerstoffbläschen würden sonst die Algenkissen, ähnlich wie auch die "Mooskugeln“ auch, schnell zur Wasseroberfläche aufsteigen lassen. Das Wachstum ist unter Aquarienbedingungen problemlos. Jedoch ist die biologische Reinigungsleistung nicht höher als die von anderen gleich schnell wachsenden Pflanzenarten einzustufen. Zur Stabilisierung eines Aquariums sollte man doch lieber schnellwachsende Arten, z.B. Stängelpflanzenarten wie Hygrophila (Wasserfreund) oder Ceratophyllum (Hornblatt) einsetzen. Als mögliche Garnelenweide ist Aegagropila linnaei dagegen in allen Wuchsformen hervorragend geeignet, da sich zahlreiche Mikroalgen und Kleinstlebewesen in kürzester Zeit auf dieser Grünalge ansiedeln.
Die Quell- oder Brunnenmoose der Gattung Fontinalis (Fontinalaceae) sind über die gemäßigten und kalten Zonen der Erde verbreitet und durchaus auch für die Haltung zusammen mit tropischen Wasserpflanzen interessant. Für die Aquarienhaltung ist insbesondere Fontinalis antipyretica var. gigantea (Sull.) Sull. geeignet, die relativ häufig u.a. in stehenden und langsam fließenden Gewässern Europas, Nordamerikas und Nordafrikas vorkommt und bis zu 8mm lange und relativ breite Blättchen besitzt.
Bei ausreichender Beleuchtung und, falls die Temperatur tagsüber deutlich über 25Grad liegt, einer Abkühlung in der Nacht (um 5-10 Grad) ist Fontinalis antipyretica var. gigantea problemlos im Aquarium zu pflegen. Die Pflanzen müssen auf eine Unterlage aufgebunden werden, um sie in Bodennähe zu fixieren. Sie fangen sofort an zu wachsen und benötigen keine Eingewöhnungsphase. Wie alle aquariengeeigneten Moose sind sie mit allgemein pflanzenfreundlichen Bedingungen zufrieden und stellen keine besonderen Ansprüche hinsichtlich der Düngung und Beleuchtung. Allerdings konnten deutliche Wachstumsstockungen und ein Absterben der Triebspitzen beobachtet werden, wenn nicht ausreichend freies Kohlendioxid verfügbar ist.
Neben Fontinalis antipyretica var. gigantea ist auch ein Versuch mit gelegentlich im Handel erhältlichen Fontinalis- Formen aus den Thermalgewässern Ungarns und einem vor wenigen Jahren aus Tajikistan eingeführten, bisher unbestimmten Wassermoos empfehlenswert, das Ähnlichkeit mit einem Quellmoos hat.
In Deutschland kommen Quellmoose vielerorts häufig vor. Die Aquarieneignung ist je nach Fundort und Population verschieden. Am erfolgreichsten ist die Kultur von Populationen aus stehenden Gewässern, die sich tagsüber stärker erwärmen. Die Unterschiedlichkeit der Standorte, welche die einzelnen Formen der verschiedenen Arten besiedeln, ist hierbei beachtlich. Sie kommen in sauren Waldteichen ebenso wie in sonnigen kalkreichen Seen vor. In schnellfließenden kalten Flüssen vorkommende Fontinalis-Formen sind für Aquarienzwecke dagegen meist wenig geeignet.
Hydrodictyon reticulatum(Linnè) Lagerheim
Wassernetz- oder Gitteralgen sind meist mikroskopisch kleine, frei im Wasser schwimmende Grünalgen, die in Süß-, Brack- und Meerwasser vorkommen. Von den etwa 45 Arten, die über den größten Teil der Erde verbreitet sind, wird nur eine Art, Hydrodictyon reticulatum, die in den Binnengewässern von Europa und Nordamerika verbreitetet ist, gelegentlich von Wasserpflanzenfreunden gepflegt. Wassernetzalgen gehören sicherlich zu den interessantesten Beobachtungsobjekten in der Aquaristik und sind völlig anspruchslos.
Im Aquarium entwickeln sie sich unter zusagenden, allgemein pflanzenfreundlichen Bedingungen gut, werden aber nur in den seltensten Fällen zur Plage. Sie sind zudem eine anscheinend wohlschmeckende pflanzliche Beikost für zahlreiche Fische, Garnelen und Schnecken.
In der Natur kommen Wassernetzalgen relativ häufig in stehenden oder langsam fließenden Gewässern vor, werden aber meist übersehen. Ihre Anpassungsfähigkeit an unterschiedlichste Wasserwerte und Temperaturen ist erstaunlich.
Die netzartige Struktur des bis zu 40 cm langen und 4-15 cm weiten sack- oder schlauchförmigen Netzes wird dadurch bestimmt, dass je drei oder vier Zellen an ihren Enden sternförmig miteinander verbunden sind.
Relativ selten in Kultur ist ein Moos aus der Gattung Plagiomnium, das als Perlen- oder Tränenmoos bzw. als Kriechendes Sternmoos bezeichnet wird. Der Name Kriechendes Sternmoos ist sehr zutreffend, da es zu den Aufwuchsmoosen zählt, welche an ihren kriechenden Stämmchen kleine Haftorgane (Rhizoiden) bilden und sich damit an der Unterlage festsetzen. Plagiomnium sp. kann auf Wurzeln und Steinen, aber auch auf dem Bodengrund des Aquariums bezaubernde Polster bilden! Es wächst nicht schnell, aber der herrliche Anblick lohnt den Aufwand…
Weltweit kommen ca. 24 Plagiomnium-Arten in Gebieten mit feucht-kühlem, temperatem Klima vor. Das Perlenmoos, das sich bestens für die Aquarienhaltung bewährt hat und dessen Wildherkunft unbekannt ist, wird häufig als Plagiomnium affine bezeichnet. Zweifelsfrei gehört es jedoch nicht zu dieser Art. Zumindest lässt es sich keiner der auch in Deutschland vorkommenden Plagiomnium-Arten widerspruchsfrei zuordnen, zu denen auch Plagiomnium affine gehört. Nach Frahm/Frey ist Plagiomnium affine ein Aggregat aus mehreren Taxa (in Deutschland 4) mit unterschiedlichen Standortspräferenzen. Zwei davon eher in Sümpfen, die anderen beiden eher auf Waldboden, Wegrändern usw.